«Ich möchte das Gewerbe in Rümlang stark machen»
Yves Angioy ist neuer Präsident des Gewerbevereins Rümlang. Er bringt berufliche Erfahrung und soziales Engagement zusammen.
Yves Angioy in der Werkstatt seines Malerbetriebs «Weitblick». Bild: Janik Schmid
Yves Angioy ist neuer Präsident des Gewerbevereins Rümlang. Er bringt berufliche Erfahrung und soziales Engagement zusammen.
Rümlang. Der Geruch von Farbe liegt in der Luft, Eimer und Werkzeuge stehen in der Werkstatt von Yves Angioy ordentlich bereit. Seit Kurzem steht er an der Spitze des Gewerbevereins Rümlang. Dass er dieses Amt übernommen hat, ist kein Zufall. «Ich unterstütze und organisiere gerne und wirke gerne mit», sagt er. Vor rund drei Jahren wurde er für den Vorstand angefragt – gemeinsam mit der heutigen Vizepräsidentin Jacqueline Krebs. «Ich fand es einen tollen Vorstand und habe mich bereit erklärt, mitzumachen.» Als das damalige Präsidium ihn schliesslich konkret auf eine Nachfolge ansprach, wurde aus einer Idee ein ernsthaftes Projekt. Nach reiflicher Überlegung, auch mit Blick auf sein eigenes Unternehmen, entschied er sich: «Doch, das geht.»
Eine Bedingung stellte er dem Vorstand allerdings: «Ihr bleibt alle dabei – dann mache ich das.» Kontinuität war ihm wichtig – ebenso wie die Chance, neue Impulse zu setzen. Er wolle «frischen Wind hineinbringen, aber nicht den ganzen alten Wind vertreiben». Diese Haltung prägt auch seinen Start als Präsident: motiviert, aber nicht überhastet.
Angioy ist nicht nur Vereinspräsident, sondern auch Unternehmer. Sein Betrieb «Weitblick» in Rümlang ist ein Malergeschäft mit besonderem Fokus. Als Malermeister und Arbeitsagoge verbindet er Handwerk mit sozialem Engagement. In seinem Betrieb werden ausschliesslich Lernende aufgenommen, die etwa über die IV, Jugendanwaltschaft oder soziale Institutionen kommen. «Es hat etwas mit Integration zu tun», sagt er. Viele hätten schulische, sprachliche oder strukturelle Schwierigkeiten. Ziel sei es, sie zu Malerinnen und Malern auszubilden – auf allen Stufen. Besonders stolz ist er auf einen Lernenden, der den Einstieg über die PRA (Praktische Ausbildung) geschafft hat und nun direkt ins EFZ wechselt: «Er überspringt somit die EBA-Stufe.»
Sein eigener Weg führte ihn vom Maler EFZ über den Malermeister hin zur Arbeit mit Jugendlichen. Acht Jahre war er in einer Stiftung tätig, bevor er mit «Weitblick» den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Die Arbeit mit jungen Menschen ist für ihn zentral geblieben. «Das ist meine Passion», sagt er. Er unterrichtet bereits an der Berufsschule in Winterthur und plant, sich als Berufsschullehrer im Nebenamt weiterzubilden. «Ich mache gerne etwas für die Jugend. Sie ist unsere Zukunft.»
Im Gewerbeverein sieht Angioy klare Ziele. «Ich möchte das Gewerbe in Rümlang stark machen», sagt er. Besonders wichtig sei ihm der Zusammenhalt. Das lokale Gewerbe sei bereits «sehr familiär miteinander», das gelte es zu bewahren. Gleichzeitig will er die Zusammenarbeit mit der Gemeinde stärken. Man müsse gemeinsam hinschauen, wie stark das lokale Gewerbe bei Bauprojekten berücksichtigt werde. «Ich glaube, man kann überall ein wenig Anpassungen und Verbesserungen machen.»
Dabei setzt er bewusst auf Teamarbeit. «Es ist kein Alleingang, sondern Teamwork.» Entscheidungen sollen gemeinsam mit dem Vorstand getroffen werden, der ihm den Einstieg erleichtert hat. «Ich weiss, dass mir hier Leute zur Seite stehen, die schon Jahre oder Jahrzehnte dabei sind und viel Erfahrung haben.»
Herausforderungen sieht er dennoch. Ein Thema ist die Konkurrenz von auswärtigen Betrieben: «Ich stelle immer wieder Handwerker aus anderen Kantonen fest, die bei uns in Rümlang tätig sind – das möchte ich ändern – es wäre doch schön, wenn die Arbeit bei uns ‹Büezer› im Dorf bleibt.»
Auch die Zukunft der RüGA, der lokalen Gewerbeausstellung, beschäftigt ihn. Ohne neues Organisationskomitee droht sie auszufallen. «Es wäre schade, ein Anlass, der für das Dorf ist, der darf eigentlich nicht verschwinden.» Er zeigt sich jedoch zuversichtlich: Das ehemalige OK ist hier sehr engagiert in der Lösungsfindung.
Seit 2018 lebt Angioy in Rümlang, seit 2021 führt er sein Geschäft vor Ort. Der Gewerbeverein habe ihm geholfen, anzukommen: «Als Mitglied half es mir, neue Leute kennenzulernen und mich zu vernetzen.» Seine Freizeit verbringt er oft am Fussballplatz, wo seine beiden Söhne für den SV Rümlang spielen. «Ich stehe sehr gerne bei ihnen am Spielfeldrand – dort kann ich auch ein wenig abschalten.»
Als Mensch beschreibt sich Angioy kurz und klar: « Hilfsbereit, freundlich, sozial, empathisch.» Im Umgang mit anderen setzt er auf Offenheit und Augenhöhe. «Ich bleibe auf dem Boden und bin zu allen ehrlich und transparent». Dass er ohne Gegenstimmen gewählt wurde, wertet er als grosses Zeichen des Vertrauens und als Kompliment.
Yves Angioy steht für ein Gewerbe in Rümlang, das zusammenhält und sich weiterentwickelt – mit Bodenhaftung und «Weitblick».
Janik Schmid
Lade Fotos..